Zähne putzen in der YouTube-Welt
Mein ganz normaler Augenblick des Zähneputzens hat es auf die große Leinwand geschafft: Beim Projekt Life in a Day filmte ich mich beim Zähneputzen, lud das Video auf YouTube hoch – und tatsächlich landete mein Clip im fertigen Dokumentarfilm. Was für ein surrealer Moment!

Der Aufruf – Ich war dabei
Im Sommer 2010 rief YouTube gemeinsam mit der Produktionsfirma Scott Free – der Firma von Ridley Scott – Menschen weltweit dazu auf, ihren Alltag am 24. Juli 2010 zu dokumentieren (Wikipedia, DIE WELT). Ich war dabei – einfach ganz entspannt mit Schaumrinne und Zahnbürste, ohne großes Ego, aber mit dem Bewusstsein: Jeder kann das sehen. Tatsächlich erklärt die dpa-Meldung, dass ich, Mario Obst aus Düsseldorf, einem dieser Aufrufe folgte: „…filmte sich beim Zähneputzen. Bedenken, sein Privatleben öffentlich zu machen, hatte er aber nicht.“ (Der Standard, Mitteldeutsche Zeitung).

Der Schnitt – und die Überraschung
Monatelang sichteten Kevin Macdonald und sein Team aus 80.000 eingereichten Clips und etwa 4.500 Stunden an Material nur ein „Best of“ herauszufiltern – darunter war auch mein unscheinbarer Clip beim Zähneputzen (Wikipedia, DIE WELT, Der Standard, Onetz). Und tatsächlich – in der endgültigen Fassung von Life in a Day wurde mein Video verwendet – was bedeutet: Ich bin offiziell als Co‑Regisseur genannt, denn jeder Beitragende wird entsprechend im Finale gewürdigt (Wikipedia).

Berlinale‑Premiere – mein persönlicher Höhepunkt
Dann kam Berlin: Bei der 61. Berlinale, also den Internationalen Filmfestspielen Berlin vom 10.–20. Februar 2011, durfte Life in a Day seine Europapremiere in der Sektion „Panorama Special“ feiern (Berlinale, Wikipedia, Die Presse). Für mich war das unfassbar: Ich, der Typ mit dem simpelsten Video aller Zeiten, war plötzlich Teil eines globalen Kunstwerks — produziert von der renommierten Firma Scott Free (Ridley Scott) und YouTube (Wikipedia, DIE WELT).

Reflexion – Alltag wird Kunst
Im Friedstadtpalast in Berlin füllte sich der Saal, der Film lief, beiläufig, aber eingebettet in ein Mosaik von 197 Ländern, war das Zähneputzen von mir auf dieser Leinwand. 95 Minuten voller Leben, Liebe, Alltag, Kuss, Arbeit, Trauer, Geburt, Tod, Banalität und Poesie (Die Presse, filmszene.de).
Der Abspann, indem ich meinen eigenen Namen in riesigen Lettern auf der Kinoleindwand sah war unsagbar beeindruckend!
Für mich war der Moment – vom Zahnbürsten‑Clip zum Teil eines globalen Erzählflusses – vielleicht der eindrücklichste Beitrag meiner eigenen kleinen Geschichte.







